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»Du bleibst ruhig. Ist das klar?«, fragte er warnend. »Keine Impulse. Kein… was auch immer dich sonst antreibt.«
Ich grinste nur. Wenn er Ruhe wollte, würde er sie bekommen – bis sie ihm im Hals stecken blieb.
Er wusste es. Natürlich wusste er es. Worte hatten bei mir nie Wirkung gezeigt. Schläge auch nicht. Er hatte beides versucht, mit der Überzeugung, Gehorsam ließe sich erzwingen. Und je fester er griff, desto mehr glitt ihm alles durch die Finger. Wir beide kannten das Spiel. Und wir beide wussten, dass er längst nur noch spielte, um nicht aufzugeben.
In seinen Augen lag dieser Versuch von Autorität, brüchig wie dünnes Glas. Ich hätte lachen können, wäre da nicht dieses schale Gefühl gewesen, das sich immer meldete, wenn ich ihn so sah. Kein Mitleid – das kannte ich nicht – eher ein dumpfer Widerwille. Vielleicht, weil er mich erschaffen hatte und selbst nicht wusste, was dabei herauskam.
Seufzend fuhr ich mir mit der Hand durchs Haar, trat näher ans Fenster. Unten zog sich der Verkehr durch die Straßen, ein endloser Strom aus Lichtern und Motorenlärm. Menschen auf dem Weg irgendwohin, überzeugt davon, dass es wichtig war. Dass es einen Sinn hatte. Einen Plan.
Ich wusste es besser.
Es war alles nur Ablenkung. Bewegung, um nicht stehen bleiben zu müssen. Um nicht darüber nachzudenken, wie leer alles eigentlich war.
So wie ich.
Aber Cecilia… Cecilia Souza war keine Bewegung. Sie war ein Einschlag.
Ich sah sie noch genau vor mir. Nicht nur ihr Gesicht – das wäre zu einfach gewesen. Es war die Art, wie sie mich angesehen hatte. Nicht beeindruckt. Nicht eingeschüchtert.
Ein leises, trockenes Lachen entwich mir. Kurz. Hart. Ohne Humor.
Scheiße, was hatte sie mit mir gemacht?
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